Auf welchen Kanรคlen wie werben?
Die Welt ist anscheinend komplizierter geworden. Oder vielleicht auch nicht. In jedem Fall ist die Vielfalt der Optionen schier unendlich. Wir mรถchten fรผr Sie in ein paar Journal-Beitrรคgen hier auf unserer Website einen รberblick verschaffen. Lesen Sie hier unseren Start-Artikel.
Wie war das nochmal, in โalten Zeitenโ, als es noch kein Internet gab, geschweige denn Facebook und eine โzwitscherndeโ Bundeskanzlerin? Da haben die Experten der Kommunikationswelt darรผber gestritten, was mehr Wirkung erzielt: Print oder TV. Dann kamen die oberschlauen Marketingexperten und sprachen von den โfragmentierten Mรคrktenโ, passend zur ersten Online-Welle. Plรถtzlich wollten alle ins World Wide Web. Mit eigenen Sites und starken Auftritten fรผr die โganz spezielle Zielgruppeโ. Trennscharf und treffsicher. Aber was reden wir, das ist alles Steinzeit: Facebook, WhatsApp, Twitter, YouTube, Google und Co., ein neues Zeitalter ist angebrochen, und der Weg zum Kunden ist ganz kurz und (vermeintlich) noch billiger geworden. Und weil altehrwรผrdige Verlage nicht mehr an sich selbst, sondern an die selbst ernannten Propheten einer besseren Online-Welt glaubten (die รผbrigens gleich mitverdienen am groรen Hype), ist Information nichts mehr wert. Jeder Schwachsinn kann sich als Wirklichkeit verkaufen, und alle lesen viel und noch mehr verstehen nichts. Jeden Tag wird eine neue Sau durchs globale Dorf getrieben, die den โKรถnigsweg zum Kundenโ verspricht. Oder wie sagte meine Groรmutter schon vor vierzig Jahren: โJeden Tag steht ein Dummer auf, man muss ihn nur finden.โ
Wo also wirbt man wie wirkungsvoll? Andrea Malgara, Geschรคftsfรผhrer von Mediaplus, einer Tochter der Agentur Serviceplan gab schon vor Jahren in โbrand einsโ zu verstehen: โEine Antwort ist deutlich schwieriger geworden.โ Und er sagte im selben Magazinbeitrag ganz unverblรผmt zum Internethype: โDer Lack ist ab.โ
Jeder Marketingverantwortliche wรผnscht sich eine mรถglichst groรe Reichweite: Das heiรt im Klartext Prรคsens bei Google, Facebook, Instagram & Co. Doch die gibtโs nicht kostenlos. Damit sei gleich ein Vorurteil ausgerรคumt, was sich in vielen Kundengesprรคchen hartnรคckig hรคlt und immer wieder hervorgekramt wird: โDas kostet doch nichts.โ Weil erstens gut gemachte Kommunikation in SocialMedia aufwรคndig ist (dazu in einem gesonderten Beitrag bald mehr), und zweitens weil Google und Facebook sich Kampagnen bezahlen lassen. Kurioserweise mit fรผr User und Kunden, aber auch fรผr professionelle Anwender und Programmierer komplett intransparenten Prozessen/Algorithmen โ was alle klaglos akzeptieren. Kleine Randnotiz: Ebenso lรคsst es eine europรคische und nationale Politik den Konzernen durchgehen, dass sie mehrwertsteuerfrei abrechnen. Und last but not least, wir zahlen alle gemeinsam mit unseren Daten. Jaron Lanier nennt es die โAsymmetrie unserer Geschรคftsbeziehungenโ zu Facebook, Apple, Google & Co. Doch UNSERE Daten sind โwertvoller Rohstoffโ fรผr das Geschรคftsmodell weniger Konzerne.
Fakt ist, dass sich Mediengewohnheiten rasant verรคndern, und wir heute nicht verlรคsslich sagen kรถnnen, was morgen hipp ist. Facebook beispielsweise verliert in den jungen Zielgruppen rasant an Bedeutung. Dort werden vor allem Instagram und Snapchat geschรคtzt und an erster Stelle die Messengerdienste wie WhatsApp. Ob allerdings die Bemรผhungen, dort auch Werbung zu lancieren nicht gerade in dieser sehr medienkompetenten Zielgruppe kontraproduktiv sein wird, weiร niemand. Es gilt in jedem Fall: Mancher Hype ist ebenso schnell von der Bildflรคche verschwunden, wie er entstanden ist.
So wรคren wir also wieder bei der โguten alten Printweltโ. Doch die Verlage sind wenig selbstbewusst. Obwohl sie gemeinsam mit den Druckereien alle Trรผmpfe in der Hand hรคtten. Hohe Qualitรคt der redaktionellen Inhalte, einzigartige Haptik, zielgruppengenaue Ansprache, unterschiedliche Formate, u.v.m., โฆ aber vielleicht sind wir einfach nur in unsere eigene Geschichte verliebt โ denn unser Weg in die Kommunikation hat mit dem Papier gestartet.
Was also ist richtig? Welcher Kanal ist der โrichtigeโ? Die einfache Antwort gibt es nicht, aber ein grundsรคtzliches Prinzip fรผr den Erfolg: Wer โeigene Spuren hinterlassen mรถchte, sollte nicht ausgetretene Pfade gehenโ. In jedem Fall sollten Sie nicht einfach tun, was andere tun. Vielmehr gilt es, mit einem klaren Konzept und mit einer klaren Vorstellung davon, wer mit welchen Botschaften zu welchem Zweck erreicht werden soll, die geplanten Werbemaรnahmen anzugehen. Ihre Umsetzung? Sollte nachhaltig und kontinuierlich erfolgen. Denn auch hier gilt noch so ein Satz aus der โalten Zeitโ: โSteter Tropfen hรถhlt den Steinโ. Und dann sind wir naturgemรคร davon รผberzeugt: Die Kraft einer originellen Idee ist durch nichts zu ersetzen.